Die Macherin

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Ein Dokumentarfilm von Susanne und Peter Scheiner, 2011-2025
Länge: 6.5 Minuten, Sprache: Deutsch

Inhalt

Nach dem Tod verliert der Mensch die Macht über seinen Nachlass, wenn er zu Lebzeiten keine Testamentarischen Vorkehrungen getroffen hat.
Was bleibt ist die Deutungshoheit der Lebenden. Nicht selten instrumentalisieren sie den Toten zur Beruhigung ihres eigenen Gewissen und im Sinne ihrer eigenen Bedürfnisse.

Ein Beispiel das mich nicht losgelassen hat, ist der Tod des Holocaust-Überlebenden Gabor Hirsch. Besonders irritierend waren für mich die salbungsvollen, teilweise heuchlerischen Nachrufe und Kommentare, etwa in der NZZ "Mit Gabor Hirsch ist ein Zeitzeuge der Shoah gestorben"(26.8.2020). In dem Film "Ende der Erinnerung?" (41:26 - 42:00) sagt Gabor Hirsch:

"Wir haben praktisch keine Unterstützung gehabt, wir wurden mehr oder weniger totgeschwiegen."

Diese Aussage wurde weitgehend ignoriert. Niemand stellte sich die Frage, weshalb ein Holocaust-Überlebender in der Schweiz - siebzig Jahre nach Kriegsende - so empfand. Niemand wagte es, wenigstens anlässlich seines Todes, an seinem Begräbnis, jene Gedanken aufzugreifen, die ihn über Jahrzehnte hinweg umgetrieben hatten Der Film "Die Macherin" greift das Thema "Erinnerungskultur" in der Gegenwart heute auf. Anhand spontan aufgenommener Filmsequenzen eines Ehepaars zeigt er den Versuch, der Posthumen Instrumentalisierung zuvorkommen: durch die bewusste Gestaltung der Abdankung durch die Auswahl der Musik und durch die Festlegung des Ablaufs des Teilnehmerkreises. Es ist der Versuch, selbst zu bestimmen - und möglichst wenig den Lebenden zu überlassen,.

Ironischerweise leben die Protagonisten länger als die CD Abspielgeräte, auf die sie ihren musikalischen Nachlass festgelegt haben. Sollten die Nachkommen diesen Willen eines Tages erfüllen wollen, werden sie das passende Abspielgerät vermutlich auf eBay suchen müssen.

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